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Vom Ziegelstein zum Hausbau von Heinrich Köppel

Eine große Tradition hatte die Fabrikation von Mauerziegeln in Ostheim. Der tonhaltige Lehmboden der südlichen Wetterau ermöglichte es, nahe den Orten Lehm abzutragen und ihn im Feldbrandverfahren zu Ziegelsteinen zu verarbeiten, die im Volksmund auch Backstaa oder Russestaa genannt wurden. Gebrannte Ziegelsteine haben im allgemeinen eine große fast unbeschränkte Lebensdauer und durch ihre Haltbarkeit sind sie am Bau auch gut belastbar. Die handgeformten Ziegelsteine hatten eine sehr gute Wärmedämmung, weil bei der Verformung mehr Luft im Rohmaterial verblieb, als dies später bei der maschinellen Verformung der Fall war. Dafür waren die maschinell hergestellten Steine genauer im Maß als die Feldbrandziegel, wo schon mal ein Stein aus der Form geriet und als "Pannkouche" tituliert wurde. Die gesamten im Rahmen der Fabrikation notwendigen Arbeiten wurden auf Akkordbasis durchgeführt. Zuerst wurde das Rohmaterial abgestochen und in etwas tieferen Gruben gelagert. Hier wurde das Material gewässert, und nach einigen Tagen zogen die Männer kurze Hosen an oder krempelten die Hosenbeine hoch und stampften dann in dem gewässerten Rohmaterial, damit sich dieses besser aufschloß. Wurde das Material dann für gut befunden wurde, kam es zur Verarbeitung. Es wurde auf Schubkarren geladen und dann auf eine schräge, aus Holz gefertigte, schiefe Ebene hochgeschoben und auf den sogenannten Tisch gekippt. Hier wurden große Klumpen geformt, die mit einiger Wucht in die Holzformen geworfen wurden und oben dann mit einem Drahtwerkzeug das überflüssige Material von der Form gezogen. Die Form war ein stabiler Holzkasten, der zwei geformte Steine aufnehmen konnte. Nach dem Verformen wurden die in der Form befindlichen Rohlinge "abgetragen", d.h. sie wurden auf einer ebenen Fläche nebeneinander abgelegt. Nach dem Antrocknen wurden die Rohlinge, die nun formfest waren, lederhart sagt man fachlich, in Reihen von ca. 1 ,50 m Höhe aufgesetzt ,bis der Trocknungprozess abgeschlossen war. Danach wurden die Steine zu einem großen Ofen zusammengesetzt und gebrannt. Der Ofen mußte gut zusammengefügt werden, damit das Feuer, das an entsprechender Stelle angezündet wurde, durch den ganzen Ofen lief und alle Steine gebrannt wurden. Hier verblieben sie bis zur Auskühlung, um dann von hier aus verkauft zu werden. Mittels Pferdefuhrwerken kamen sie dann zu den Baustellen im Umland. Urkundlich wird berichtet, daß wohl die erste Feldbrandziegelei zwischen Ostheim und Windecken stand. Der Betreiber L. Wasem stellte Ziegelsteine für den Haus-und Scheunenbau her. Die Abbauwand zwischen Städter Grund und Leimenkaute betrug nach den Überlieferungen gegen Ende des 19. Jahrhunderts bereits 12 m Höhe. Die erste Ziegelei in Ostheim war der Betrieb von Heinrich Brodt, genannt der " Zielhetter". Sein Haus stand dort, wo später das Wohnhaus von Dahlheimer stand , Ecke Rommelhäuser Str. und Eicher Tor. Hinter seinem Anwesen entlang der Straße nach Rommelhausen wurde das Material abgebaut und im Feldbrandverfahren zu Ziegelsteinen verarbeitet. Der Besitzer hatte zwei Söhne. Der eine war der Zielhettersch Heinrich und der andere wurde genannt der Bürgermastersch Karper. Beide hatten kein Interesse an der Ziegelfabrikation und wurden Landwirte. So wurde der Betrieb eingestellt. Überliefert ist, daß das Wohnhaus der Familie Brodt an der Rommelhäuserstraße komplett abgebaut und in Langenbergheim wieder errichtet wurde. Anschließend an das Grundstück vom sogenannten "Zielhetter" gründete dann Heinrich Kester eine Feldbrandziegelei um ca.1895 an der Straße nach Eichen. Hinter dem heutigen Hof von Heinz Kester wurde das Material abgebaut. Es gab auch schon eine Unterkunft für die Arbeiter, die sich auf dem späteren Anwesen der Familie Zinkan befand und teilweise beim Umbau zu Wohnzwecken erhalten blieb. Leider zeigt sich hier das Material immer ungeeigneter für die Ziegelfabrikation. So wurde beim Bau des Hofes von Kaspar Brodt (heute Waas) in der Schinnergasse, das gesamte Erdreich in die Ziegelei Kester geliefert für die Produktion. Später mußte der Betrieb verlegt werden und begann neu an der Marköbler Straße ( heutiges Sportplatzgelände ) Im Jahre 1927 wurde der Betrieb dann eingestellt. Im Jahre 1894 begann der Ostheimer Landwirt Wilhelm Brodt VI - "es Grellemännche"- eine Feldbrandziegelei östlich der Straße nach Hanau. Nach 1900 arbeiteten dort schon 15-20 Feldbrandziegler. Die abgetragene Lehmwand, heUte Nähe Not-ma-Markt, war nach 1925 schon über 9 m hoch. Der Ofen zum Abbrennen der Steine stand zumeist am Wiegenweg - heutige Wiegenstraße - etwa in Höhe der Kurve zur "Seife", heute Lerchenweg. Der Betrieb stellte im Jahre 1939 seine Fertigung ein. Das Fahrzeug, mit dem die Steine zu den Bauten gefahren wurden, wird vielen noch bekannt sein, insbesondere durch das Pferd, das den Wagen zog. "Remo" war sein Name und er war ein imposanter Kaltblüter. Im Jahre 1880 begannen die Gebrüder Altvater an der Straße nach Roßdorf - an der Hanauerstraße - mit der Fabrikation von Ziegelsteinen. Er errichtete eine große Werkshalle für maschinelle Verformung und einen festen Ringofen zum Brennen der Steine. Die Trocknung der Rohlinge erfolgte in großen Trockenhallen, so daß man weitgehend wetterunabhängig produzieren konnte. Die Ziegelei hatte zwei große Schornsteine, wovon der eine für den Ringofen benötigt wurde und der kleinere für die Dampfmaschine, die Energie für die Aufbereitung und Verformung der Steine lieferte. Etwa 1933 / 1934 stellte die Familie Altvater den Betrieb ein. Den größten Ziegelbetrieb errichtete der Landwirt Jakob Schütz im Jahre 1895 an der Straße nach Marköbel (heutiges Gelände des Tennisclubs und der Bogenschießanlage). Mittels einer Dampfmaschine erzeugte man die Energie für die maschinelle Verformung. Mit sieben Mitarbeitern wurde der Betrieb angefangen und wurde ständig erweitert. Wegen schlechter Verkehrsanbindung und weil geeignetes Land zum Anbau fehlte, kaufte Jakob Schütz ein großes Grundstück unmittelbar an der Bahnlinie Hanau Friedberg. Hier wurde die Fabrikation wieder aufgenommen und der Betrieb ständig erweitert, dem anfangs auch noch ein Sägewerk mit 3 Vollgattern angeschloßen war. Die Dampfmaschine wurde von der Marköbeler Straße abtransportiert und wieder aufgestellt. Die Betriebsgebäude wurden errichtet zur Aufbereitung und zur Verformung ein Ringofen gebaut, Trockenhallen und dazu eine neue Scheune für die umfangreich noch betriebene Landwirtschaft. Günstig wirkte sich auch aus, daß der Betrieb Gleisanschluß bekam, was den Transport der Steine wesentlich erleichterte. Das Material wurde bis 1928 von Hand gewonnen. Im Jahre 1928 wurde ein Bagger angeschafft, der sowohl oben von der Wand abheben konnte, als auch unten , da er auf Schienen lief, und nach beiden Seiten arbeiten konnte. Im Jahre 1924 errichtete die Firma die ersten Trockenkammern, dadurch wurde eine schnellere Trocknung und ein größerer Ausstoß erreicht. Da sich das System bewährte, errichtete man 1927 eine zweite Trocknung und war somit von der Lufttrocknung völlig unabhängig und in der Lage, die Kapazität des Ringofens voll zu nutzen. Das Sägewerk wurde eingestellt. Im Jahre 1933 mußte auch die Ziegelfabrikation wegen vorübergehender Schwierigkeiten eingestellt werden. Zu dieser Zeit wurden noch weitere Ziegeleien geschlossen - in Bruchköbel die Firma Albau und die Firma Urban - in Niederissigheim eine Ziegelei sowie, bereits erwähnt, in Ostheim die Ziegelei Altvater und die Ziegelei Schütz. Durch einen Onkel der Betreiber der Ziegelei Schütz - Friedrich Wilhelm Schütz - ,wurden dann die Ziegeleien in Ostheim - Altvater und Schütz - aufgekauft und zusätzlich die Ziegelei in Niederissigheim. Danach nahmen dann alle drei Betriebe die Produktion wieder auf und produzierten ausschließlich Mauerziegel. 1939 wurden die meisten Mitarbeiter zum Kriegsdienst eingezogen und in allen drei Werken kam die Produktion zum Erliegen. Im Jahre 1942 verkaufte Friedrich Wilh. Schütz seine drei Ziegeleien an die Firma Burger Söhne, Schweizer Stumpenfabriken in Emmedingen (Baden). Im Jahre 1946 wurde die Fabrikation von Mauerziegeln wieder aufgenommen, und zwar im Werk Bahnhofstraße (ehem. Schütz). Im Werk an der Hanauer Straße (ehem. Altvater) wurde der Brennofen abgerissen und durch einen neuen ersetzt, mit Hilfe von Geldern aus dem Marschallplan. Auch eine neue Trocknerei wurde gebaut. Hier wurden dann später Dachziegel fabriziert und zwar drei verschiedene Formate von Biberschwanzziegeln, Doppelfalzziegeln und Rheinlandpfannenziegeln. Die beim Einsetzen des Brenngutes für die Feuerschächte im Ofen benötigten Mauerziegel wurden im Werk am Bahnhof produziert und als Rohlinge getrocknet und mit einer Feldbahn in das andere Werk gebracht. Zunächst wurde hier das Material für die Dachziegelfabrikation noch von Hand gewonnen. Später wurde ein Bagger angeschafft, der ca. 18 m Arbeitshöhe hatte. In Spitzenzeiten Anfang der 50 er Jahre arbeiteten in beiden Betrieben bis zu 120 Mitarbeiter. Der ehemalige Betrieb Schütz an der Bahnhofstraße produzierte Mauerziegel, Deckensteine und später Gitterziegel verschiedener Maße. Der Ringofen zeigte zunehmend Mängel, weshalb man sich zum Neubau eines Ofens entschloß. Errichtet wurde ein Tunnelofen mit modernster Technik. Das Brenngut wurde auf mit Schamotte-Steinen gesicherten Wagen aufgesetzt und in den Ofen geschoben. Nachdem die Steine gebrannt und wieder abgekühlt waren, wurde der Wagen am anderen Ende des Tunnels wieder herausgenommen. In diesen modernen Ofen wurden dann auch Klinkersteine für Kanalbau und Hochbau gebrannt. Das Material dafür (Tonerde) wurde in Ravolzhausen gewonnen und mittels LKW nach Ostheim gebracht. Zwischen 70 und 80 verschiedene Steine in Größe, Form und Farbe wurden zeitweilig gefertigt. Leider wurde durch einen Brand der Betrieb im Jahre 1970 schwer beschädigt und nicht wieder aufgebaut. So gibt es den Beruf des Ziegeleifacharbeiters, der in Ostheim eine große Tradition hatte, nicht mehr. Das Ziegeleigelände rechts vom Bahnhof soll demnächst mit einer Wohnsiedlung bebaut werden. Das Ziegeleigelände links vom Bahnhof wird vom Raiffeisenverband als Zentralverkaufsstätte, ein zweiter Teil wird von Albert Becht als Betriebsstätte für Heizung und Sanitär genutzt.

 

Lehmabbau Werk 2

 

Ansicht der Ziegelei Werk 1 am Ostheimer Bahnhof mit Wohngebäuden und Büro

 

Werk 2 der Ziegelei Ostheim, heute Raiffeisen Warenlager und Landmaschinenreparaturwerkstatt