,,IM MÄRZEN DER BAUER DIE RÖSSLEIN EINSPANNT"
sofern er welche hatte. Die bäuerliche Arbeit war schon immer sehr ungleich über das Jahr verteilt. Spinnen und Weben , Wald- und Holzarbeit fanden hauptsächlich im Winter statt. Die ,,eigentliche" Bauernarbeit, Ackerbau und Viehzucht , war auf die Sommermonate konzentriert.
Viehzucht in heute praktizierter intensiver Form gibt es noch nicht lange. Kühe wurden zur Milcherzeugung und als Zugtiere gehalten. Das Vieh wurde im Wald oder auf dem Brachfeld geweidet. Die Ertragreiche Stallfütterung setzte sich erst im Laufe des 19. Jahrhunderts durch. Eine deutliche Erhöhung des Viehbestandes setzte ab Mitte des 19. Jahrhunderts ein.
Pferde als Zugtiere oder gar den Traktor konnten sich bis in die Mitte der fünfziger Jahre des 20. Jahrhunderts nur die größten Bauern leisten. Die tägliche Arbeitsleistung eines Pferdegespannes beim Pflügen betrug ca. 0.6ha, eines Kuhgespannes 0,3ha.
DAS PFLÜGEN
Bis weit in das 19. Jahrhundert war bei der Feldbestellung die ,,Dreifelderwirtschaft" üblich: Im März / April wurde das Feld für das Sommergetreide ( Hafer, Gerste ) gepflügt. Nach der Ernte lag es brach, um sich zu regenerieren. Ab Juni des folgenden Jahres wurde es für den Anbau der Winterfrucht ( Roggen, Weizen ) gepflügt. Dabei arbeitete man auch den Stallmist ein, der dem Brachfeld vorbehalten war. Bis tief in das 19. Jahrhundert war lediglich der Beetpflug im Gebrauch. Beim Furchenziehen wurde die Erde rechtsseitig angehäuft. Bei Hin - und Rückfahrt wurden die Schollen somit zu schmalen Beeten zusammengeschoben. Der Beetpflug hatte eine kleine Pflugschar und ein einseitiges hölzernes Streichbrett, das den aufgepflügten Boden nur unzulänglich wendete. Eiserne geschwungene Streichbleche wurden erst ca. 1850 verwandt. Erst die Wendepflüge vervollkommenten das Pflügen.
DAS EGGEN
Nach dem Pflügen wurden die Erdschollen mit der Egge zerkleinert. Anfangs gab es reine Holzeggen; Bald wurden Zinken unterschiedlicher Größen eingesetzt oder volleiserne Eggen genommen. Nach mehrmaligem Eggen und walzen wurde das Saatgut eingesät.
Eggen und Düngen
DAS SÄEN
Gesät wurde bis Anfang des 20. Jahrhunderts mit der Hand. Aus dem geflochtenen Säkorb oder dem Sätuch nahm man das Korn aus den besten Garben und kaufte gegen Krankheiten behandeltes Korn dazu. Die Sämaschine vereinfachte das Säen sehr: Von einem Vorratskasten aus werden die Körner über Saatleitungen in die Erde befördert.
DIE ERNTE
Als es noch keine Erntemaschinen gab, wurde das Getreide mit der Sense (Reff) geschnitten, mit der Sichel aufgehoben, zu Garben gebunden. Die Garben wurden zum Trocknen in Haufen aufgestellt. Strohbänder zum Bindender Garben wurden oft schon im Winter aus Roggenstroh gefertigt. Bald erleichterte die Mähmaschine mit Ableger den Erntevorgang sehr. Der Binder löste die Mähmaschine ab. Der Mähdrescher schließlich perfektionierte die Getreideernte. War das Getreide getrocknet, wurde es mit dem Leiterwagen in die Scheune zum Abladen oder sogleich auf den Dreschmaschinen gefahren (heute: Anwesen Neumann, gegenüber der Post; Wiegenstraße). Nach dem Beladen des Erntewagens wurde mit dem Schlepprechen das Stoppelfeld nachgerecht, damit keine Ähre verloren ging.
DAS DRESCHEN
Als es noch keine Dreschmaschine gab, wurde das Getreide so gedroschen: Auf der Tenne wurden die Garben kreisförmig auf einem großen Tuch mit den Ähren zueinander gelegt, 5-6 Personen schwangen den Dreschflegel und schlugen die Körner aus den Ähren. Nach dem Entkörnen blieb ein Gemenge aus Körnern, Spreu und Unkrautsamen zurück. Mit großen Sieben wurde dieses Gemisch vorgereinigt und danach mit Schaufeln gegen den Wind geworfen. Im 18. Jahrhundert kam die WINDFEGE, eine chinesische Erfindung, auf den deutschen Markt: Ein Flügelrad erzeugt einen Luftstrom, der die leichten Spreu- und Staubteilchen von den schweren Getreidekörnern trennt. Über eine Schütte fallen die Getreidekörner, nach Gewicht vorsortiert, zu Boden. Das ausgedroschene Stroh diente als Stallstreu, geschnitten als Viehfutter oder wurde zum Beispiel zu Bienenkörben verarbeitet. Gedroschen wurde direkt nach der Ernte, aber auch im Herbst und Winter.
Dreschmaschine mit Lokomobilantrieb ( Dampfmaschine )
KARTOFFELRODER
Vor der Mechanisierung wurden die Kartoffeln mit der Hacke (Karst) gerodet -eine mühsame Arbeit. Der Kartoffelroder schleuderte die Kartoffeln zur Seite. In Körben wurden sie nach ihrer Größe gesammelt, in Säcke gefüllt und mit dem Kastenwagen abends nach Hause gefahren. Das gedörrte Kartoffelkraut wurde zu Haufen zusammengetragen und verbrannt. Im Feuer geröstete Kartoffeln waren eine Delikatesse.
RÜBENERNTE
Dickwurz (Ranke und Zuckerrüben sind die letzten im Jahr zu erntenden Feldfrüchte. Die Dickwurz wird ans Vieh verfüttert. Die Zuckerrüben wurden bis vor wenigen Jahren in die Zuckerfabrik nach Friedberg geliefert. Die Dickwurzrüben wurden mit der Hand aus dem Boden gerissen und in Reihen gelegt. Mit einem Hackmesser wurden die Blätter entfernt und die Rüben zumeist mit der Hand auf den Wagen geworfen. Im Bauernhof wurden die Rüben im Dickwurzkeller (Rankekeller) bis zum Verbrauch gelagert. Die Zuckerrüben wurden mit einer besonderen Rübengabel ausgestochen oder mit dem Rübenpflug ,,ausgemacht". Die Blätter wurden mit dem Hackmesser entfernt. Zuckerrüben wurden und werden geerntet, wenn der Liefertermin für die Zuckerfabrik naht. Heute ist die Rübenernte vollmechanisiert.
FLACHS ODER LEIN
wurde schon vor 1000 Jahren in Ostheim angebaut. Die Flachspflanze wird 1,20 bis 1 ,60 m hoch und hat blaßblaue Blüten. Wird der Flachs wegen der Leinsamen angebaut, läßt man die Samen völlig ausreifen. Wer die Fasern des Stengels will, erntet den Flachs, sobald Ende Juli die ersten Samen reifen. Nach Trocknung des Flachses wird er geriffelt: Es wird durch einen senkrecht stehenden Stahlkamm gezogen, so daß die Samen abgestreift werden. Danach werden die Stengel geröstet, man legt sie für einige Wochen in's Wasser oder in's Freie und läßt sie danach trocknen. Die getrockneten Stengel werden mittels einer Flachsbreche gebrochen: Die Leinenfasern werden von Stengel getrennt. Danach werden die Fasern gehechelt: Sie werden durch große Kämme gezogen. Es werden dadurch jene Fasern entfernt die zu kurz zum Spinnen sind. Die kurzen Fasern nennt man Werg. Sie wurden als Matratzenfüllung verwandt oder auch zu Seilen verarbeitet. Die langen Fasern werden kunstvoll auf den Spinnrocken gewickelt und auf dem Spinnrad zu Leingarn gesponnen. Das gesponnene Garn wird auf dem Webstuhl zu Leinen verarbeitet. Das Leinen wird schließlich gebleicht und zu Tüchern, Hemden usw. verarbeitet.
Von der Arbeit einer Bauersfrau
Landleben wird heute oft romantisiert. Das einfache und kärgliche Leben, die sogenannte gute alte Zeit auf dem Bauernhof werden als erstrebenswerte Lebensqualität für ein gesichertes Wohlbefinden nachgestellt. Daß Landleben zumeist ein Kampf um das Überleben wurde, bleibt unbeachtet. Zusammengestellt aus Interviews und Textquellen sei hier das Tagesleben einer Bauersfrau beschrieben. Von um die Jahrhundertwende bis in die fünfziger Jahre spannt sich die Betrachtung. Sparsamkeit, die Fähigkeit einteilen zu können und Fleiß waren schon immer die herausragenden Qualitäten einer Bauersfrau. Ob Frühjahr, Sommer, Herbst oder Winter - einer Bauersfrau ging die Arbeit nie aus. Freizeit stand nur selten zur Verfügung. Um ihre Familie "übers Jahr zu bringen", mußte die Bäuerin sich an der Seite ihres Mannes auf dem Feld abplagen und auch im Haushalt eine wahre Künstlerin sein: Alle Nahrungsmittel kamen aus eigener Herstellung. Je nach Familiengröße wurden im Winter ein oder zwei Schweine geschlachtet, verwurstet, das Fleisch eingepökelt und eingeweckt. Es lag dann in der geschickten Hand der Frau, das Fleisch so einzuteilen, daß es bis zum nächsten Schlachten ausreichte. Eine eigene kleine Einnahmequelle hatte die Bäuerin - Hühnereier und etwas Milch. War mal kein Bargeld im Hause, konnte die kleine Schuld im Krämerladen auch mit Eiern beglichen werden. Eigentlich kaufte sie dort aber nur Salz und Essig und das in großen Mengen, denn sie waren die eigentlichen Konservierungsmittel. Das Hauptnahrungsmittel war die Kartoffel. In vielen Variationen wurde sie auf den Tisch gebracht Besonders beliebt waren Beulches und Wellkartoffeln mit Matte. Zum Brotbacken kam der Bäcker ins Haus. Er brachte den Sauerteig mit und rührte den Brotteig mit dem hauseigenen Weizen- oder Roggenmehl an. Ungefähr zehn bis zwölf Brotlaibe wurden geformt, zum Bäcker gefahren und gebacken. Vier Wochen mußten die Brote reichen. Danach erst war man wieder an der Reihe. Die Brotlaibe wurde im Keller gelagert und mit Tüchern bedeckt, damit sie nicht austrockneten. Zum Brot gab es selbstgemachte Butter, Matte und "Labmäje", ein Mus aus Pflaumen mit diversen Zusätzen z.B.Birnen, das im Kessel auf Feuer stundenlang gekocht und gerührt werden mußte. Die Bäuerin stand werktags meistens gegen 6 Uhr früh auf, sommers auch um vier Uhr. Die erste Arbeit war Viehfüttern und Melken. Die Milch wurde durch ein Tuch oder ein feines Sieb in die Kannen gefüllt und dann auf Karren zum Bahnhof gefahren. Der Zug brachte die Kannen nach Hanau zur Molkerei (Hanau Nord). Jahre später stellte man die Kannen am Zimmerplatz an einem Sammelplatz ab, von wo sie vom Milchauto abgeholt wurden. Noch später wurde die Milch zur Milchsammelstelle gebracht, in Aluminiumbottiche geschüttet und dann vom Milchtankwagen abtransportiert. Heute da es nur noch wenige milchproduzierende Betriebe gibt, kommt der Tankwagen direkt zum Hof. Die Milch wurde abgeliefert und Buttermilch gab es später zurück. Doch zurück zum Tagesablauf. Nach der Fütterung von Schweinen und Federvieh, das Füttern von Kühen und Pferden war Aufgabe des Bauern, wurde das Frühstück vorbereitet und die Kinder zur Schule geschickt. Während der Bauer zur Feldarbeit mit dem Kuh - oder Pferdefuhrwerk hinausfuhr, folgte für die Bäuerin die tägliche Haus und Gartenarbeit Nach dem Mittag, wenn Zackersleute beim Bauern draußen auf dem Feld waren, wurden etliche Kannen Blümcheskaffe gekocht, Brot , Butter, Hausmacher, "Labmäje" und "Schillee" in einen Korb gepackt und die Bäuerin machte sich zu Fuß auf den Weg hinaus zum Feld. Nach dem Vieruhrläuten ging sie wieder zurück, denn es wurde wieder Zeit für das abendliche Melken und Füttern von Schweinen und Hühnern sowie das Vorbereiten des Abendessens. Den Sommer über und Herbst wurde viel Zeit verwandt für das Vorräteanlegen für die langen Wintermonate. Obst wurde anfangs selten eingekocht, wohl aber wurde es in großer Zahl getrocknet und auf dem Dachboden oder in der Vorratskammer eingelagert. Wurden die Früchte später benötigt, wurden sie eingeweicht und aufgekocht. Weißkraut und Rotkraut wurden auf einem großen Hobel geschnitten und in großen Tontöpfen oder Holzbottichen eingeschichtet, Eier in Gläsern und Töpfen in einer Kalklösung eingelegt oder auch in Korn gelagert. Selbst die Kinder hatten ihre Pflichten und mußten Mutter und Vater in Haus, Garten und Feld zur Hand gehen. Gar nicht beliebt bei ihnen war das Gänsehüten. Die Gänse wurden in die Borngärten zur Gänseweide getrieben, tagsüber wurden sie von einer Gänsehüterin betreut und abends von den Kindern zum Hof zurückgebracht. Jede Gans hatte ihr Hauszeichen am Gefieder. Alle sechs Wochen wurden die Gänse gerupft und die Daunenfedern zum Kissennachfüllen verwendet. War die Tagesarbeit erledigt, trafen sich die Nachbarsfrauen zum Plausch vor dem Hoftor. Dehnten sich die Gespräche aus, setzte man sich auch mal auf den Holzstoß vorm Haus. An Winterabenden wurde, abgesehen von den sonstigen vielen Flick - und Näharbeiten, je nach Geschmack gehandarbeitet. Auch traf man sich zur Spinnstube. Das war aber eine Sache mehr für junge Leute. Alle vier Wochen war großer Waschtag angesagt, eine gewaltige Arbeit. Da kamen einige Frauen, meist die Zackersleute, zur Hilfe. Die Wäsche wurde sortiert, in Kübel eingeweicht, danach in eine von unten befeuerte Trommel gelegt, die bis zum Kochen der Wäsche per Hand gedreht wurde. Nach dem Kochvorgang wurde die Wäsche herausgenommen und auf verbliebene Schmutzflecken untersucht. Wurden noch Verunreinigungen festgestellt, kam die Wäsche auf das Rubbelbrett. War sie endlich rein, wurde sie winters in einem weiteren Kesselbad mit Sil gebleicht und dann zum Trocknen aufgehängt. Im Sommer wurden die Wäschestücke zur gemeindeeigenen Bleiche gebracht, in den Borngärten und am heutigen Hundeplatz. Neben der schweren Alltagsarbeit brachten die Bäuerinnen fast nebenbei einige Kinder zur Welt. Fielen die letzten Monate und Wochen der Schwangerschaft in die Sommermonate, blieb ihr nichts anderes übrig, als bis kurz vor der Geburt schwer zu arbeiten. Allerdings wurde der Wöchnerin acht bis zehn Tage Wochenbett gewährt. Die ärztliche Versorgung war auf dem Land allgemein mangelhaft. Der Arzt wurde aus Windecken nur in schweren Fällen gerufen. Weniger ernsthafte Krankheiten kurierte die Mutter mit Hausmitteln: Lindenblüten bei Erkältung, Brombeerblätter für Durchfall, Klee und Huflattich gegen Krampfadern, Johannisbeerkraut gegen Entzündungen. An Sonntagen war weniger Arbeit. Melken, Füttern und Kochen aber blieb. Morgens ging man zur Kirche. Nachmittags machte man Besuche oder bekam welchen. Frische Kräfte wurden gesammelt für die kommende Arbeitswoche. Ostheim war ein von der Landwirtschaft geprägtes Dorf wie alle Dörfer in der Wetterau. Vergleicht man die Gesamtzahl der bäuerlichen Betriebe in den fünfziger Jahren mit den heutigen verbliebenen, so läßt sich unschwer als Auslöser des Rückgangs ein gravierender Wandel der Produktionsweise in der Landwirtschaft und somit auch im Handwerk feststellen. Flurbereinigungen, Rationalisierung und der Einsatz moderner Techniken lösten alte über Jahrhunderte tradierte bäuerliche Strukturen auf. Das unabdingbare Zusammenwirken von Landwirtschaft und Handwerk verflüchtigte sich. Der Landwirt heute ist ein sich an die rasante technische Entwicklung anpassender Unternehmer. Der Handwerker alter Prägung ist aus dem Dorfbild verschwunden. In diesem Bändchen wollen wir auf einem Gang durch unser Museum mit Wort und Bild versuchen, handwerkliche und bäuerliche Arbeit der Vergangenheit zurückzurufen, die Neuzeit aber nicht zu vergessen.
Roggen wird "eingefahren" am "Alten Haag" Kühe mit Stirnjoch und Kummet
Pferdegespann am Zimmerplatz