Der Küfer oder Faßbinder oder Böttcher oder Büttner oder Schäffler
Einige Zeit vor der christlichen Zeitrechnung erfanden die Kelten das hölzerne Faß; ein Gefäß, das aus hölzernen Teilen mühsam zusammengebaut werden mußte. Im Laufe von zweitausend Jahren erfuhr es keine wesentliche Änderung mehr. Früher wurden Fässer von Küfer hergestellt. Heute werden sie von der Industrie als Massenartikel gefertigt. Für Cognac und andere vergorene Traubensäfte wird gerne zur Faßherstellung Eichenholz genommen. Es wird gespalten, nicht gesägt, damit die Poren erhalten bleiben. Für Wein wird neben Eichen- auch Akazien- und Kastanienholz verwandt. Das Holz wird mit dem Spaltbeil zu Dauben gespalten. Mit dem Schlichtbeil erhält die Daube ihre endgültige Form: keirie gerade Linie, nur leichte Krümmungen. Auf der Schnitzbank werden die Dauben mit unterschiedlichen Messern geglättet und in einem Setzreifen aufgestellt. Ist der Setzreifen gefüllt, werden drei oder vier Spannreifen mit dem Setzhämmer aufgeschlagen. Ist die obere Hälfte der Fässer gefügt, steht die untere struppig ab und muß ebenfalls mit einem Reifen gefügt werden. Das Faß wird gewässert, über ein Kohlenbecken gestellt und nach einer halben Stunde lassen sich die Dauben biegen ohne zu brechen. Das Rundbiegen geschieht mit dem Faßzug. Das Faß ist geformt. Nun werden die Böden hergerichtet, der letzte Reifen aufgesetzt und das Spundloch eingebohrt. Ein guter Handwerker braucht ungefähr acht Stunden, um ohne maschinelle Hilfe ein 300 Liter Faß herzustellen. Schließlich werden mit dem Prägeeisen Literzahl des Fasses und Name des Herstellers oder Betriebes eingebrannt.
Von der Küferei zur Tenne
Küfereien gab es etliche in Ostheim. Eine von ihnen wurde am heutigen Standort des Gasthauses "Tenne" betrieben. Die Küferei wurde ca. 1910 vom Großvater des heutigen Tennenwirtes, Karl Mehrling, gegründet. Er hieß auch Karl Mehrling, wurde 1875 gebohren und starb 1932. Seine Söhne, Karl und Wilhelm, erlernten ebenfalls das Küferhandwerk und führten dazu ein Gasthaus, das Gasthaus "Zur Eisenbahn" mit angeschlossener Apfelweinkelterei.Karl Mehrling starb 1936 und Wilhelm Mehrling, der Vater des Tennenwirts, fiel 1944 im Weltkrieg. Um die Familientradition fortzuführen, begann Tennenwirt Karl Mehrling eine Küferlehre bei Wilhelm Stütz, in der alten Brauerei Kaiser (Hanau Kesselstadt). 1947/48 arbeitete er bei Simon Miller in Windecken. 1949 übernahm Karl Mehrling als Achtzehnjähriger mit Sondergenehmigung die elterliche Küferei und Kelterei. Das Gasthaus "Zur Eisenbahn" führte die Mutter. 1955 wurden in der Kelterei die vier mächtigen Handpressen durch eine hydraulische Kelteranlage ersetzt. Jährlich wurden ca.150 000 Liter Most gekeltert. Der eigene Faßraum betrug 11 000 Liter. 1960 wurden Kelterei und Küferwerkstatt und die Räume nach Plänen des Malermeisters Wili Dorschner umgestaltet. "Die Karawanserei" entstand. 1963 wurde das alte Gasthaus "Zur Eisenbahn" geschlossen, eine Apotheke (Thomas Philippi) zog ein. 1973 wurde die "Karawanserei" zur "Tenne" umbenannt - ein Gasthaus also mit handwerklicher Tradition. Gasthaus zur Eisenbahn, Gasthaus zum Dätze Karl, Karawanserei, Tenne die Namen änderten sich. Geblieben aber ist bis heute eine Familientradition : das Musizieren. Ein Leben lang hatte das Oma Kätche, auch die "Aalt Schameri"gerufen, mit Klavierspiel ihre Gäste unterhalten. Zwei Tage vor ihrem Tod ließ sie sich von ihrem Krankenlager runter in die Gaststube an's Klavier tragen, saß wegen ihrer Leibesfülle auf zwei Stühlen und spielte zum Abschied : "Siehste net do kimmter". Ihre Musikalität hat sie besonders ihrem mittleren Sohn Wilhelm vererbt, und der vererbte sie weiter an seinen Sohn Karl, den Tennenwirt. Wilhelm spielte Tasten-, Streich-und Blasinstrumente. Bis zum Einzug zur Wehrmacht spielte er 10 Jahre lang die Ostheimer Kirchenorgel. Sein sehnlichster Wunsch war, sein Sohn Karl sollte nach dem Abitur Musik studieren. Es kam anders. Vater Wilhelm fiel im Krieg und Karl mußte mit achtzehn die Kelterei und das Gasthaus übernehmen. Geblieben bis heute ist die Liebe zur Musik. Karl und seine Frau Grit (Margarete) haben in vielen Jahren sich und ihr Haus im Rhein - Main - Gebiet bekanntgemacht. Viele Kapellen und Bands traten auf, Schallplattenaufnahmen folgten, noch heute sind die Oldy- und Jazzabende ein Renner. In Tochter Kathy setzt sich das Familienerbe fort. Nach gezielter Ausbildung kletterte sie die Erfolgsleiter hoch: Hauptrolle im Musical "Grease" im Staatstheater Kassel, Hauptrolle in Bern im Musical "Manche mögen's heiß", in Aussicht gestellte Hauptrolle im Musical "Edith Piaf" in Kassel.